SEGELN, REISEN, LEBEN
Auf Weltreise mit unserem Segelboot

Juni 2025 - Die Marquesas Inseln / Französisch Polynesien

Land in Sicht! Nach den unendlichen blauen Weiten der letzten Wochen sehen wir endlich wieder Land, Grün! Grüne Bäume, raue Felsklippen und bunte Pflanzen. Auf der wohl ursprünglichsten Insel des Marquesas Archipel gibt es, bis auf ein paar Weltumsegler, praktisch keinen Tourismus. Dafür überwältigende Natur, welche sich bereits vom Ankerplatz aus bestaunen lässt. Die Morgensonne kommt über den Gebirgszug und lässt die filmreife Kulisse in atemberaubenden Farben erstrahlen, schöner hätte uns die Insel nicht empfangen können.
Am Nachmittag feiern wir zusammen mit unseren Freunden von Libby und Pangea die zweite, gemeinsame und erfolgreiche Ozeanüberquerung. Nach einer erholsamen Nacht vor Anker genießen wir mit frisch gebackenem Brot ein ausgiebiges Frühstück an Bord und lassen danach unser Beiboot zu Wasser. Wir wollen an Land, um zu sehen, wie es nach so langer Zeit ist, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.
Gemeinsam mit John und Alison, unseren australischen Freunden von SV Libby, machen wir uns auf, die Umgebung und einen nahegelegenen Wasserfall zu erkunden. Die kleine Ortschaft Hanavave macht einen ruhigen, friedlichen und ursprünglichen Eindruck. Wir werden freundlich begrüßt, neugierig beobachtet und teilweise angesprochen, ob wir frisches Obst oder Gemüse aus dem Garten kaufen möchten. Ein Lebensmittelgeschäft gibt es hier nicht, so freuen wir uns über diese Möglichkeit und sammeln auf dem Rückweg zum Boot frisches Obst und Gemüse ein.
Auf dem Weg zum Wasserfall stellen wir schnell fest, dass die Muskulatur in den Beinen sowie die Kondition doch etwas nachgelassen hat. Der Weg ist die Anstrengung jedoch wert. Vorbei an bunter Vegetation und steil aufragenden Felsklippen streifen wir durch die Landschaft, dabei kreuzen freilaufende Hühner, Schweine und Kühe unseren Weg. Weiter führt uns ein steiler und steiniger Weg, durch einen Bachlauf stetig bergauf. Glücklicherweise ist es nicht weit und Zeit später wartet schon Abkühlung auf uns, in Form eines kühlen Dosenbiers aus Panama sowie eines erfrischenden Bades im kalten Sammelbecken des Wasserfalls.
Für den Abend verabreden wir uns mit den Crews von 4 weiteren Booten, zu einem gemeinsamen Abendessen an Land. Restaurants, so wie wir sie aus Europa oder der Karibik kennen, gibt es hier nicht. Einige Inselbewohner generieren jedoch ein kleines Nebeneinkommen, indem sie ein traditionelles Abendessen in ihrem eigenen zu Hause anbieten.
Zubereitet wird das Essen vom Hausherrn, in einem traditionellen Erdofen „Ahima’a“. Auf heißen Lavasteinen, die seit einigen Stunden in einem Erdloch erhitzen, wird Wildschwein und Hähnchen langsam gegart. Serviert wird das Ganze mit hausgemachtem Papayasalat, frittierte und im Erdofen gebackener Brotfrucht „Uru“ sowie selbst gebackenem Brot, Reis und frischer Kokosmilch. In dieser herrlichen Atmosphäre blicken wir alle gemeinsam und stolz darauf zurück, was wir in den letzten Wochen geschafft haben. Wir sind quer durch den Pazifik gesegelt und in der „Südsee“, auf der anderen Seite unseres Planeten angekommen.
Der Pazifik hat seine Spuren an unserem Boot hinterlassen. Das Boot ist trotz der häufigen Regenfälle der letzten Tage mit einer Salzkruste überzogen. An der Bordwand kurz über der Wasserlinie haben sich in den vergangenen 4.000 Seemeilen gelbe und grüne Ablagerungen gebildet, die wir zeitnah beseitigen müssen. Während wir beide im Schlauchboot sitzend unsere Bordwand schrubben, bekommen wir Besuch eines anderen deutschen Seglerpaares. Elke und Dietrich von der Macarena haben ebenfalls vor kurzem den Pazifik überquert. Zusammen unternehmen wir am nächsten Tag einen Ausflug über die Insel. Per WhatsApp nehmen wir Kontakt zu einer einheimischen Familie auf, die eben solch eine Inselrundfahrt mit ihrem Pickup anbietet. Mit einem freundlichen “Ka `oha“ begrüßt uns Poi in ihrem roten Pickup. Auf der Insel gibt es nur eine Hauptstraße, diese verbindet die einzigen Ortschaften der Insel, Hanavave mit dem Nachbarort Omoa. Auf der nur teilweise befestigten Straße geht es steil bergauf. Poi kennt sich jedoch gut aus und bugsiert uns etwas holprig, aber sicher über den Bergpass. An einem schönen Aussichtspunkt halten wir an um die Aussicht über unsere Ankerbucht sowie den Norden der Insel zu genießen und Fotos zu machen. Nach weiteren Stopps mit wunderschönen Ausblicken sowie Kostproben einiger lokaler Früchte, erreichen wir Omoa. Hier gibt’s sogar einen kleinen Supermarkt. Mit uns zusammen ist auch ein Versorgungsschiff auf der Insel eingetroffen, so ist der Laden für hiesige Verhältnisse gut bestückt und wir kaufen zusammen Poi mit noch einige Kleinigkeiten ein, bevor wir die Rückfahrt antreten.
Fatu Hiva hat keine offizielle Behörde und ist somit kein „Port of Entry“. Da wir noch offiziell ins Land einreisen müssen, segeln wir also am nächsten Morgen schon weiter zu nördlicheren Insel Hiva Oa. Nach einem herrlichen Segeltag erreichen wir unsere Ankerbucht. In der kleinen Bucht ist leider schon einiges los und wir ankern in sehr flachem Wasser, mit ungewohnt wenig Ankerkette und geringem Abstand zur Uferlinie. Glücklicherweise ist jedoch nur wenig Wind gemeldet und wie immer graben wir unseren Anker im Rückwärtsgang sicher im sandigen Schlamm ein. Keine fünf Minuten später werden wir von anderen deutschen Seglern im Schlauchboot begrüßt und bekommen spontan angeboten mit an Land zu fahren, heute Abend sei ein Fest im Ort mit Livemusik und sicherlich etwas zu Essen. Da sind wir gerne dabei und so landen wir auf dem Festplatz mit polynesischer Livemusik und essen ein Stück Fleisch vom Grill.
Trotzdem es Sonntag ist und ein Fest stattfindet, können wir bei dieser Gelegenheit sogar schon uns sowie unsere SEVEN offiziell ins Land einklarieren. Leider beginnt es kurz darauf zu regen und so machen wir uns schon früh auf zurück an Bord. In der Nacht dauert der Regen an und wir staunen am nächsten morgen nicht schlecht, als sich plötzlich aus einem Fluss, der in die Ankerbucht mündet, eine regelrechte Schlammlawine voller Treibgut in die Bucht ergießt. Vergessen ist das Frühstück und in aller Eile ergreifen wir die Flucht. Micha dreht den Zündschlüssel, unser treuer Yanmar läuft glücklicherweise gut wie immer, Janine steht an der Ankerwinsch und holt den Anker auf. Gerade als das erste Treibgut seren Bug erreicht, legen wir den Rückwärtsgang ein und fahren kurzerhand rückwärts zwischen den ankernden Booten aus der Bucht heraus. Unsere Freunde auf der Pangea beobachten etwas irritiert unser Manöver, bis wir Sie im Vorbeifahren auf die Schlammlavine aufmerksam machen. Also beginnt auch hier das hektische Treiben und kurze Zeit später folgen uns unsere Freunde aus der Bucht hinaus.
Wir hatten ohnehin vor heute weiterzufahren, wenn auch nicht so überstürzt. Aber gut, weiter geht es einen kurzen Tripp, zur nur etwa zehn Seemeilen entfernten Insel Tahuata. Hier wollten wir eigentlich nur einen kurzen Zwischenstopp machen, aber wie das mit den Plänen eben so ist… Die Bucht im Norden von Tahuata ist wunderschön. Umrahmt von schroffen Felsen aus schwarzem Gestein, in der Mitte ein weißer Sandstrand, dahinter dichte Vegetation, mit Palmen, Sträuchern und Bäumen. Der Nordteil von Tahuata ist weitestgehend unbewohnt und wild. Zu unserer Freude finden wir hier wildwachsende Pampelmusen, Limetten, Kokosnüsse und Bananen. Abends treffen wir unsere Freunde zum Sundowner am Lagerfeuer. Wir genießen das paradiesische Leben, schwimmen mit Mantarochen, sehen die ersten Riffhaie unter unserem Boot, spielen Frisbee am Strand, öffnen Kokosnüsse für hausgemachte Pina Colada, grillen einen Gelbflossenthunfisch auf dem offenen Feuer und lernen eine Menge netter Leute kennen, die mindestens genauso verrückt sind wie wir. Könnte die Welt schöner sein? Für den Moment sicherlich nicht.
So wird aus dem geplanten kurzen Zwischenstopp über eine Woche Aufenthalt. Das kommt bei uns eher selten vor, länger als drei Tage sind wir in der Regel nicht am selben Ankerplatz. Unter anderem nutzen wir hier noch das klare Wasser, um unser Unterwasserschiff wieder richtig zu säubern. Schnell lernen wir, dass das hier ohne Haie in der Nähe nicht geht. Aber gut, Sie leben hier und wir sind nur Gäste in ihrem Element. Glücklicherweise begegnen uns in der Bucht ‚nur‘ Riffhaie ‚Blacktipps oder Schwarzspitzen Riffhaie‘ die für den Menschen eher ungefährlich sind. Wir haben bereits einiges über die Haie hier in Französisch-Polynesien gelesen und werden sicherlich noch viele weitere sehen.
Nach über einer Woche (welcher Wochentag ist, haben wir längst vergessen), setzen wir Segel mit Kurs auf die größte der Marquesas Inseln - Nuku Hiva. In der großen Bucht vor Taiohae fällt der Anker und wir nutzen die bessere Infrastruktur der Insel, um etwas Proviant zu bunkern. Denn die nächsten Wochen möchten wir gerne in dem weiter südlich gelegenen Tuamotu-Archipel verbringen.
Natürlich wollen wir auch die Insel erkunden und machen eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt im Südosten der Bucht. Der Weg ist ganz nach unserem Geschmack und auch die Steigungen halten sich, bis auf das letzte Stück, in Grenzen. Des Weiteren besuchen wir auf einem Plateau den “Tiki Tuhiva“. Eine beeindruckende Steinstatue eines traditionellen Maori Kriegers. Auf dem Rückweg halten wir in der örtlichen Pizzeria für einen Mittagsimbiss, ja, hier gibt es tatsächlich einige Restaurants. Ein Restaurantbesuch ist hier jedoch nicht vergleichbar mit westlichen Standards. Wir haben jeweils ein gezapftes Bier ergattert und eine Pizza zum Teilen bestellt. Kurze Zeit später Treffen John und Alison ein und wollen ebenfalls Bier und Pizza bestellen. Das gezapfte Bier ist leider aus, also gibt es Flaschenbier. Pizza ist leider auch aus. Und das nicht nur am Mittag, nein, bis das nächste Versorgungsschiff kommt. Ach ja, mit einer weiteren Runde Flaschenbier ist dann auch das Flaschenbier aus… Hier zeigt sich ein weiteres Mal, wie gut wir es in Europa haben, Lebensmittel im Überfluss, eine riesige Auswahl, Obst und Gemüse ganzjährig, auch außerhalb der eigentlichen Saison und eine nie abreisende Versorgungskette (seien wir ehrlich, nicht einmal zu Zeiten von Corona, da haben wir nur gejammert auf höchstem Niveu und uns mit Hamsterkäufen ins eigene Fleisch geschnitten)
So schön die Insel auch ist, der Ankerplatz ist es leider nicht. Der Ozeanschwell kommt in die Bucht und unser Boot wackelt kontinuierlich, mal von links nach rechts, mal von oben nach unten. Zum ersten Mal in seinem Leben glaubt Micha Seekrank zu werden und das vor Anker.. 😊  Wir besorgen also die letzten Einkäufe und beschließen in die Nachbarbucht zu fahren, die etwas ruhiger sein soll. In der glücklicherweise etwas ruhigeren Daniels Bay endet so schon unsere Zeit auf den Marquesas Inseln und wir freuen uns auf die nun kommenden Südseeatolle.


 
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