SEGELN, REISEN, LEBEN
Auf Weltreise mit unserem Segelboot

Juli 2025 – 'Ia Ora Na' Tuamotus, das Südseeparadies

Die Tuamotus bilden die weltweitgrößte größte Gruppe von Korallenatolle und sind für ihre intakte und üppige Unterwasserwelt bekannt. Insgesamt 470 nautische Meilen trennen uns von Raroia, dem ersten Atoll, dass wir ansteuern wollen. Nach dreieinhalb Tagen auf See erreichen wir nach einer ruhigen Überfahrt die Einfahrt vom Raroia. Ab jetzt kommt ein zusätzlicher Faktor zu unserer Törnplanung hinzu, denn in den Atollzufahrten, auch Pass genannt, herrscht eine nicht zu unterschätzende Gezeitenströmung. Mit der Ebbe strömt das Wasser durch die engen Einfahrten raus in den Ozean und mit der Flut strömt das Wasser ins Atoll hinein. Unsere Ankunft planen wir kurz nach Tidenwechsel, sodass wir mit minimaler Rückenströmung einfahren können. Der Plan geht auf und wir fahren zur rechten Zeit hinein. Im Atoll selbst gibt es unzählige Korallenbänke, die teilweise bis an die Wasseroberfläche zu sehen sind. Zum Glück fahren wir zu dieser Tageszeit mit der Sonne im Rücken und haben dadurch eine gute Sicht. Zudem helfen uns Satellitenbilder, um zum Ankerplatz zu navigieren. Welch eine atemberaubende Kulisse. Das ist genau das, was wir uns unter der Südsee immer vorgestellt haben. Weiße Sandstrände, türkisfarbenes Wasser, Kokospalmen und das alles mitten im Nirgendwo. Die einzigen Menschen, die hierherkommen, sind neben den wenigen Einheimischen, nur ein paar Segler, die allesamt mindestens einen Ozean überquert haben.
Wir schnorcheln im kristallklaren Wasser und bekommen gar nicht genug von den bunten Fischen und farbenfrohen Korallen. Auch können wir uns hier an das Schwimmen mit Haien gewöhnen. Schnell bemerken wir, dass die Schwarzspitzen Riffhaie hier einfach dazugehören. Für uns Menschen sind sie eher ungefährlich, dennoch haben wir einen gesunden Respekt vor den Tieren und behalten sie beim Schnorcheln stets im Auge. Abends treffen wir uns mit anderen Seglern am Strand zum Grillen und anschließendem Lagerfeuer. Manche angeln tagsüber noch ihr Abendessen. Wir haben noch selbst gefangenen Thunfisch eingefroren. Ein paar Tage genießen wir hier das ‚Robinson Crusoe Life‘ und fahren dann einen Ankerplatz weiter an die Ostseite von Raroia. Hier befindet sich auf einem kleinen Motu, so heißen die unzähligen kleinen Koralleninseln, die das Atoll bilden, die Kon-Tiki Gedenkstätte. Im Jahre 1947 segelte der Norweger Thor Heyerdal mit einem Floß von Südamerika bis zu den Tuamotus und bewies damit, dass die Besiedelung Polynesiens vor der Entdeckung der Europäer theoretisch von Südamerika aus möglich gewesen wäre.

Nach einer Nacht allein an diesem malerischen Platz, verlassen wir Raroia und wollen weiter nach Makemo. Theoretisch könnten wir die Distanz an einem Tag zurücklegen, jedoch bestimmen nun wieder die Gezeiten und der Stand der Sonne den Zeitpunkt des Verlassens und des Ankommens. Somit fahren wir mal wieder unter Segeln durch die Nacht. Die östliche Einfahrt des Makemo Atolls zeigt uns, dass es auch deutlich anders laufen kann. Dieses Mal passt der Zeitpunkt nicht so ganz, denn wir waren in der letzten Nacht zu schnell unterwegs. Es herrscht noch immer auslaufende Strömung und in der Einfahrt ist eine stehende Welle zu erkennen, diese entsteht u.a. durch die entgegengesetzte Windrichtung zur Strömung. Hinter uns können wir auf dem Radar schon einen großen Squall mit seinen dunklen Regenwolken erkennen und der Ozeanschwell macht die Wartezeit auch nicht wirklich angenehm. Ganz im Gegenteil, würden wir weiter vor dem Atoll herumdümpeln, wurden wir von Wind und Welle in Richtung Küste gedrückt werden. Unsere SEVEN hat einen zuverlässigen und leistungsstarken Motor, somit entscheiden wir uns den Versuch gegen die Strömung zu wagen. Die stehende Welle lässt sich noch recht gut aussteuern, inmitten der Einfahrt fahren wir jedoch nahezu Vollgas und sehen auf dem GPS eine Geschwindigkeit von lediglich 0,7 kn. Wir bleiben also fast stehen und müssen aufpassen, dass das Schiff manövrierfähig bleibt. Kurze Zeit später haben wir die Engstelle passiert und die Strömung lässt merklich nach. Wir haben es geschafft und sind einmal mehr dankbar, einen starken Turbodiesel zu haben. Ankern wollen wir vor dem Ort Makemo, finden hier jedoch auch nach mehreren Versuchen keinen geeigneten Ankergrund. Etwas außerhalb vom Ankerfeld finden wir dann schließlich einen ausreichend großen Sandfleck, wo sich der 33Kg Rocna-Anker schön eingraben kann. Zudem befestigen wir alle paar Meter einen Fender der Ankerkette, sodass die Kette nicht wie üblich auf dem Boden liegt, sondern zwischen Meeresboden und Wasseroberfläche schwebt. Dadurch stellen wir sicher, dass die Kette keine Korallen beschädigt oder sich bei einem Winddreher unter einem Korallenkopf verkeilt.
Hier in Makemo leben mehr Menschen als auf Raroia und es gibt neben Bäcker und Lebensmittelladen sogar eine Pizzeria. Besser gesagt ein Bewohner backt Pizza to go in seinem Hinterhof. Tagsüber treffen wir den Pizzabäcker und fragen, ob er am Abend geöffnet hat. Dies soll ab 17 Uhr der Fall sein, also freuen wir uns auf eine frisch gebackene Pizza am Abend. Leider werden wir enttäuscht, denn der Laden hat offenbar doch nicht geöffnet. Da wir uns jedoch den ganzen Tag auf Pizza gefreut haben, zaubert Janine eine selbstgemachte Pizza an Bord. Nach zwei Nächten beschließen wir ein paar Meilen weiter zu einem anderen Ankerplatz zu fahren. Wir finden tatsächlich einen sandigen Platz, ohne Korallenköpfe. Zwar nur in 3-4 Meter Wassertiefe, aber das kommt uns ganz gelegen. Unser Unterwasserschiff setzt bei den hiesigen Wassertemperaturen schnell Algen an und kann schon wieder eine Reinigung vertragen. In diesem klaren Wasser geht das super, denn so haben wir stets ein Auge auf die umherschwimmenden Haie. Beim Putzen lösen wir einen feinen Algenstaub vom Boot, der kleine Fische anlockt Fische. So dauert es nicht lange bis auch größere Fische und die ersten neugierigen Haie um unser Boot umher schwimmen.

Nach dem Putzen erkunden wir noch die Umgebung, landen mit dem Dinghy am Strand an, laufen durch die Kokospalmen und freuen uns über die paradiesische Umgebung. Auf dem Weg zurück zum Boot sprudeln wir langsam am Ufer entlang und sehen zwei Einheimische, die offenbar in der Hütte am Strand zwischen den Palmen leben. Wir winken freundlich und sagen „Guten Tag“ auf Polynesisch. Kurzerhand werden wir von einem der beiden auf Französisch angesprochen, wir sollen doch morgen früh mal vorbeikommen. 

Alles klar. Zwar haben wir keinen blassen Schimmer was uns erwartet, fahren jedoch am nächsten Morgen mit 5L Trinkwasser als Gastgeschenk zum Strand. Begrüßt werden wir von „Stone“. Stone ist der Wachhund und treue Begleiter der Beiden. Wir kommunizieren auf Englisch, ein paar Worte Französisch und der Rest erfolgt mit Händen und Füssen. Die Beiden zeigen uns stolz Ihre Insel und geben uns einen Einblick in ihren Alltag als Kokosnussbauer. Die kleine Insel ist im Privatbesitz und ihr Sie verdienen Ihren Unterhalt mit dem Ernten und Verschiffen von Kokosnüssen. Hier bekommt Micha auch gleich einen Lehrgang zum Öffnen von Kokosnüssen. 

Als Geschenk bekommen wir Kokosnüsse, soviel wie wir tragen können. Selbstverständlich möchten wir auch etwas zurückgeben und fragen, was sie denn gebrauchen können. Die Beiden freuen sich über Kaffee, Milchpulver, (sauberes) Trinkwasser und eine alte Leine sowie ein paar Arbeitshandschuhe. So einfach kann das Leben sein. Geld spielt hier eher eine untergeordnete Rolle. Wir bleiben noch zwei Tage hier im Inselparadies, und warten die vorherrschende Flaute ab. Es ist absolut windstill, keine Bewegung im Wasser, so dass sich in der sternenklaren Nacht die Sterne in der Wasseroberfläche spiegeln.
Am dritten Tag setzt ein bisschen Wind ein und damit geht für uns die Reise weiter durchs Korallenmeer und wir verlassen das Makemo Atoll bei guten Bedingungen über den Nordpass.

 
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